DieIdee


Idee

Ein Kunstmuseum in Delmenhorst: Klare Raumgliederung, Durchsichtigkeit, Leichtigkeit der Architektur, Priorität der Kunst - das waren die leitenden Prinzipien, die Barbara Alms durch den Kopf gingen, als sie sich die Sammlung Stuckenberg in der Remise der alten Bürgervilla Coburg vorstellete.

 Gebäude

In der angegliederten Remise der Stoffregen-Villa waren zunächst die Pferde und Kutschen der Arzt-Familie Coburg untergebracht. Später folgten, der technischen Mobilisierung des 20. Jahrhunderts entsprechend, Autos und Motorräder. Nach dem städtischen Ankauf der Bürgervilla hielten die Heimatstuben der Vertriebenen einzug. Die stadtgeschichtliche Sammlung, die heute in Teilen im Stadtmuseum auf der Nordwolle präsent ist, nahm in der Remise ihren Anfang.

 TechnAustattung

Bei der beginnenden Umgestaltung der Remise zum Kunstmuseum wurde eine Durchfeuchtung des Untergrunds festgestellt. Dies bedeutete die Gießung eines neuen Fundaments. Die umfangreiche Sanierung schloß auch eine Erneuerung des Daches ein. Das Architektenteam Bott, Vennebörger und Tensfeldt des Hochbauamtes Delmenhorst bewies Kompetenz und Kreativität. Höchste technische wie konservatorische Forderungen wurden an die eingebaute Museumstechnik gestellt, die die Klarheit und Funktionalität des Kunstbaus unterstützt. Die unsichtbar in Boden, Wand und Sockel versengte technische Anlage mit Heizung und Beleuchtungselektronik beinhaltet auch eine Klima-Anlage mit Temperaturregulierung und kontinuierlicher Luftbefeuchtung.

 Raumgliederung

BildUm die Sammlung Stuckenberg erlebbar zu machen, wurde der Eingang der Remise an die Seite verlegt. Der Besucher betritt das Kunstmuseum durch einen hellen Eingangsbereich, in dem Information und Museumsshop untergebracht sind. Die beiden Bilderräume mit Werken Fritz Stuckenbergs schließen sich an. Dem quadratischen, französischen Raum mit der Pariser Zeit folgt der Berliner Raum, der auch Bilder aus den 20er Jahren, die in Delmenhorst entstanden, zeigt. Alle Räume sind nach klarem Maß gebaut und entsprechend den Vorstellungen der künstlerischen Avantgarde, zu den Stuckenberg zählte, gestaltet.

 

InstallStuck

Die Video-Installation "Fritz Stuckenberg" im Entree konfrontiert das Publikum mit der Reflexion einer Gegenwartskünstlerin auf das Stuckenberg-Euvre. Die Bremerin Marikke Heinz-Hoek verarbeitet in ihrer digitalen Bearbeitung einer Fotografie von 1917 Inhalte wie Erinnerung und Vergessen. Das Gedächtnis wird lebendig.

 Farbige Wand

BildDie Gestaltung des Museumsinneren schließt ein eigenes Farbkonzept ein. Während die 80er Jahre weiße Ausstellungsräume (white cubes) favorisierten, bestimmen die Gedanken der Museenleiter in den 90er Jahren Gesichtspunkte wie größere Sinnlichkeit, bildung und Publikumsgenuß. Das kleine Kunstmuseum in der Coburg-Remise setzt auf eigene farbliche Akzente. Die Gestaltung der Wände in roter, gelber und blauer Tönung ist von der Farbwelt Fritz Stuckenbergs abgeleitet.
Die Hängung der Bilder will Erstaunen, Genuß und Forscherdrang beim Publikum hervorrufen.

 VerborgMuseum

Zwischen dem Pariser und dem Berliner Raum wartet ein ungewöhnlicher Vitrinenschrank. "Das verborgene Museum", das sich öffnen läßt und wie ein schlummerndes Archiv auf Wunsch Briefe, Bilder, Fotos, Dokumente und Zeitschriften preisgibt, bietet spannende Hintergrundinformationen zu Stuckenberg und seiner wichtigsten Schaffenszeit.

 Sammlung

Die Sammlung klassischer Moderne mit Schwerpunkt auf dem Euvre Fritz Stuckenbergs birgt regionale wie internationale Bezüge. Sie umfaßt in ihrem Kern 100 hochrangige Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Grafik des in Delmenhorst aufgewachsenen Künstlers, der seine aktivsten Jahre aber in den Kunstmetropolen Paris und Berlin verbringt, dort zugleich jeweils in die erste Reihe der künstlerischen Avantgarde aufdrückt.

"Meine Kunst ist innerstes Glühen des Erlebens, fast Leiden und Schmerz."
Stuckenberg, Paris 1909

80 Prozent der Sammlung wurde in den letzten Jahren gezielt erworben; beispielsweise so wichtige Werke wie die beiden Eigenportraitsvon 1909 und 1915 sowie Gemälde der kubofuturisitschen und konstruktiven Zeit.

Lebensspuren

Das neue Kunstmuseum folgt mit seinen künftigen Wechselaustellungen aber auch den Lebensspuren Fritz Stuckenbergs, beginnend 1907 nach den wenig ersprießlichen Akademiejahren in Weimar und München mit dem Aufenthalt in der Kunsthauptstadt Paris, wo er zum Kreis des "Café du Dôme" gehört, bei den führenden Kunsthändlern Sagot und Bernheim austellt.

"Die Farbe tötet Licht und Schatten und wird zur klaren vollen Fläche."
Seeshaupt 1920, an Paul van Ostaijen